Feste, Bräuche, Traditionen

Feste, Bräuche und Traditionen sind tief in der Kultur einer Region verwurzelt und spiegeln oft die sprachlichen Besonderheiten wider. Der Dialekt spielt hierbei eine zentrale Rolle, da er die Identität und das Gemeinschaftsgefühl der Menschen stärkt.

Werden die Dorffeste und Bräuche von Generation zu Generation weitergegeben, bleibt der Dialekt lebendig. So trägt er entscheidend zur Bewahrung der Authentizität und des lokalen Charakters der Feste bei.

Ostern

Klappern

Das Karklappern ist ein Heischebrauch, der in katholischen Regionen von Gründonnerstag bis Karsamstag von den Kindern des Ortes praktiziert wird.

Mit Klappern ziehen Jungen und Mädchen von Karfreitag bis zum späten Ostersamstag frühmorgens, mittags und abends durch die Straßen, um die Glocken zu “ersetzen”. Ab dem Abend des Gründonnerstag (genauer: ab dem Gloria in der Messe am Gründonnerstag) schweigen die Kirchenglocken nämlich.

Foto: © LVR, CC BY 4.0 (Archiv des Alltags im Rheinland)

Foto: © LVR, CC BY 4.0 (Archiv des Alltags im Rheinland)

Die “Klapperkinder” sagen mit ihren Klapperinstrumenten, mit überlieferten Versen, Sprüchen und Liedern anstelle der in dieser Zeit schweigenden Kirchturmglocken die Uhrzeit an und rufen zum Gottesdienst. Sie ziehen dazu durch die Straßen und erheischen “Klappereier”. Die Ausbeute wird am Ende unter den Kindern aufgeteilt.

Ursprünglich war das Klappern den Jungen des Ortes vorbehalten.

St. Martin

Das Martinsfeuer ist in vielen Regionen Deutschlands ein fester Bestandteil der herbstlichen Bräuche, so auch im Rheinland. Kinder ziehen am 11. November mit bunt gestalteten Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Diese Laternenumzüge enden oft an großen Plätzen oder Wiesen, wo das Martinsfeuer entzündet wird. In manchen Dörfern reitet ein als Sankt Martin verkleideter Reiter auf einem Pferd dem Umzug voran.

Höre hier eine Erzählung über das Martinsfeuer in Morenhoven: 

Foto: © Falco über pixabay.com

de Paias

Der Paias ist eine lebensgroße Puppe, die mit Stroh ausgestopft und mit Lumpen bekleidet ist. Am Aschermittwoch oder am letzten Tag der Kirmes wird der Paias feierlich verbrannt. Dabei werden ihm all die Missgeschicke und Schandtaten zugeschrieben, die sich während der Kirmes und im gesamten vergangenen Jahr ereignet haben. Nach einer symbolischen Gerichtsverhandlung endet sein Schicksal mit der Verbrennung (anderorts auch mit dem Versenken im Rhein oder mit dem Begraben). Durch dieses Ritual, das den feierlichen Abschluss der Kirmes markiert, befreien sich die Menschen symbolisch von ihren Verfehlungen und starten gereinigt in die kommende Zeit.

 

Foto: © Gemeindearchiv Swisttal, Schulchronik Miel 1959-1960

Der Name Paias leitet sich ab von französisch paillasse (Strohsack, im übertragenen Sinne aber auch Hampelmann, Hanswurst). Den Brauch gibt bzw. gab es im gesamten zentralen Rheinland, wobei der Paias auch als Nubbel oder Zachaies bekannt ist.

Verurteilung des Mieler “Kirmesmannes”:

“Du hängst noch an dem Dach
und hast uns alle etwas ausgelacht,
doch haben wir uns gedacht:
Jetzt gehen wir ihm aber an den Kragen.”

Karneval

Foto: © Gemeindearchiv Swisttal, Schulchronik Dünstekoven 1953-1961

Foto: © Gemeindearchiv Swisttal, Schulchronik Dünstekoven 1953-1961

De Zoch kütt

Der Karneval in früheren Zeiten war ein fröhliches und buntes Fest, das die ganze Gemeinde zusammenbrachte. Besonders für die Kinder war es ein Höhepunkt des Jahres. Mit glänzenden Augen und farbenfrohen Kostümen reihten sie sich in die Festumzüge ein, stolz und voller Freude. Da viele von ihnen mit dem lokalen Dialekt aufgewachsen waren, spiegelten sich diese sprachlichen Besonderheiten auch auf den Karnevalswagen wider. Die Wagen waren liebevoll dekoriert und oft mit humorvollen dialektalen Sprüchen versehen.

Kammelpott

Wenn Kinder durch die Nachbarschaft ziehen und Süßigkeiten sammeln, ist es vermutlich Halloween oder Martinstag. Früher geschah dies auch an Karneval. Für ihren Gesang bekommen die Kinder Süßigkeiten, ein sogenannter Heischebrauch, der in vielen Teilen Deutschlands bekannt ist.

Foto: © Laura Valentini über pixabay.com