Wat soll dat dann sin?
Ein Wort nachschlagen – eine Geschichte finden
In unseren Interviews tauchen immer wieder Wörter auf, die nicht sofort verständlich sind – weil sie aus dem Dialekt kommen, heute seltener gebraucht werden oder stark mit der Region verbunden sind.
Hier sammeln wir. solche Begriffe und erklären, was dahintersteckt. Dabei geht es nicht nur um Übersetzungen, sondern auch um Bedeutungen, Kontexte und die kleinen Geschichten, die mit den Wörtern verbunden sind.
Die Einträge sind mit den jeweiligen Anekdötchen verknüpft und laden dazu ein, zwischen Sprache und Erzählung hin- und herzuwandern.
Äapelsferie
Früher wurden die Herbstferien als “Kartoffelferien” bezeichnet. Eine erfolgreiche Kartoffelernte war zu Beginn des 20. Jahrhunderts von entscheidender Bedeutung für das Überleben. Tagelang arbeitete jeder, der konnte, von früh bis spät, um die wertvollen Knollen rechtzeitig aus dem Boden zu bringen.
Hahneköppen
Zu Kirmessen, Erntedank- oder Oktoberfesten gibt es einen öffentlichen Wettbewerb, bei dem es gilt, mit verbundenen Augen einem vorher geschlachteten und kopfüber in einem Korb aufgehängten Hahn den Kopf abzuschlagen. Wem der entscheidende Schlag gelingt, wird damit für ein Jahr Hahnenkönig eines Dorfes, einer Hofschaft oder eines Vereins.
Heischen
Wenn Kinder durch die Nachbarschaft ziehen und Süßigkeiten sammeln, ist es vermutlich Halloween oder Martinstag. Früher geschah das auch an Karneval. Für ihren Gesang bekommen die Kinder Süßigkeiten, ein sogenannter Heischebrauch, der in vielen Teilen Deutschlands bekannt ist.
Auch das Karklappern ist ein Heischebrauch.
Klappern
Das Karklappern ist ein Heischebrauch, der in katholischen Regionen von Gründonnerstag bis Karsamstag von den Kindern des Ortes praktiziert wird.
Mit Klappern ziehen Jungen und Mädchen von Karfreitag bis zum späten Ostersamstag frühmorgens, mittags und abends durch die Straßen, um die Glocken zu “ersetzen”. Ab dem Abend des Gründonnerstag (genauer: ab dem Gloria in der Messe am Gründonnerstag) schweigen die Kirchenglocken nämlich.
Die “Klapperkinder” sagen mit ihren Klapperinstrumenten, mit überlieferten Versen, Sprüchen und Liedern anstelle der in dieser Zeit schweigenden Kirchturmglocken die Uhrzeit an und rufen zum Gottesdienst. Sie ziehen dazu durch die Straßen und erheischen “Klappereier”. Die Ausbeute wird am Ende unter den Kindern aufgeteilt.
Ursprünglich war das Klappern den Jungen des Ortes vorbehalten.
Kniggele
Ein von Jungen und Mädchen gespieltes Spiel war „Kniggele“, also das Spielen mit Murmeln aus Glas oder gebranntem Ton. Ziel ist es, Murmeln durch geschicktes Schnippen in ein Ziel zu befördern oder die Murmeln der Mitspieler zu treffen. Es gibt viele Varianten und Regeln, die je nach Region variieren können.
Paias
Foto: © Gemeindearchiv Swisttal, Schulchronik Miel 1959-1960
Der Paias ist eine lebensgroße Puppe, die mit Stroh ausgestopft und mit Lumpen bekleidet ist. Am Aschermittwoch oder am letzten Tag der Kirmes wird der Paias feierlich verbrannt. Dabei werden ihm all die Missgeschicke und Schandtaten zugeschrieben, die sich während der Kirmes und im gesamten vergangenen Jahr ereignet haben. Nach einer symbolischen Gerichtsverhandlung endet sein Schicksal mit der Verbrennung (anderorts auch mit dem Versenken im Rhein oder mit dem Begraben). Durch dieses Ritual, das den feierlichen Abschluss der Kirmes markiert, befreien sich die Menschen symbolisch von ihren Verfehlungen und starten gereinigt in die kommende Zeit.
Der Name Paias leitet sich ab von französisch paillasse (Strohsack, im übertragenen Sinne aber auch Hampelmann, Hanswurst). Den Brauch gibt bzw. gab es im gesamten zentralen Rheinland, wobei der Paias auch als Nubbel oder Zachaies bekannt ist.
Verurteilung des Mieler “Kirmesmannes”:
“Du hängst noch an dem Dach
und hast uns alle etwas ausgelacht,
doch haben wir uns gedacht:
Jetzt gehen wir ihm aber an den Kragen”
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